Stadtkriegliga

Geschichten

3 Orks auf dem Klo

by Jones

Die nächsten Tage gingen so ins Land...

Ein kleiner Auftrag hier, ein kleiner Auftrag da, ich hätte nicht gedacht, dass sich der Zwerg auch zu etwas anderen gebrauchen lässt, als mit den Zähnen Nüsse zu knacken, wenn man ihm auf den Kopf schlägt, aber man lernt ja nie aus. Irgendwann kam dann auch mal Orange aus seiner Betaware Klinik in der Schweiz zurück, ungefähr zum selben Zeitpunkt war mir klar, was ich nicht vermisst habe...

Meine Chummer bereiteten sich auf einen Empfang beim Chef der Royal Lions vor...ich dachte mir es wäre eine gute Idee, sie zu begleiten, bevor sie wieder das Wort Mob zu einem Schimpfwort machen. Wenn ich an die Zeit zurück denke, die ich bis jetzt mit ihnen verbracht habe, verwundert es mich immer wieder, wie man so unbekümmert so alt werden kann.

Tja dieser Stehempfang, war wie jeder Stehempfang, man freute sich, Leute wieder zu treffen, deren Namen man schon lange vergessen hatte und erinnerte sich auch wieder an den Grund dafür und vergaß den Namen schnell wieder.

Da ich am liebsten in meiner Gesellschaft bin, beobachtete ich die Leute um mich herum. Irgendetwas wurde hier gefeiert, aber den Anlass hatte ich in der Lobby dieses „Hotels“ schon wieder vergessen. Ich war mir sicher die Hälfte meiner Chummer auch. Wenn es der Anlass jemals neben "ESSEN UND TRINKEN FREI" in ihr Bewusstsein geschafft hatte, so schwamm er jetzt in einem Gemisch von Sekt, Small Talk, und Parfüm und zerschellte an den Klippen der einfachen Freuden...

Etwas später…

Ich ging auf die Toilette und da stand er, ein Ork und wollte mich nicht in das Herrenklo lassen. Schnell war klar, dass hier etwas nicht stimmte. Den Geräuschen aus dem Inneren zur Folge, duschte da jemand…auf einem Hotelklo und er war bestimmt nicht alleine…

Warum es immer gut ist einen Ork dabei zu haben…

Ich rief Orange über Headcom. Der kam sehr schnell und die Dinge nahmen ihren Lauf…Die Tür ging auf und zwei trockene Orks und ein nasser Mensch verließen die Toilette, der orkische Klomann folgte den Dreien…und wir ihm…

Da war er wieder dieser blinde, selbstmörderische Aktionismus mit dessen Hilfe meine Chummer so gefährlich sind. Ich meine diese Leute gehören nicht auf eine Stehparty mit Häppchen, nein dieser Typ Mensch gehört in eine Schießerei, in ein brennendes auf der Flucht befindliches Fahrzeug, in den Angriffsradius eines Citymasters oder auf die dreckige Liege eines fünftklassigen Arztes, aber nicht in ein Fünf-Sterne-Hotel zu einem Stehempfang.

Es war vollkommen egal, wer der nasse Mensch war oder die Orks, ob überhaupt irgendjemand von uns bewaffnet ist…nein!!!

  1. Wenn jemand jemanden bewusstlos von einer Party schleppt auf der wir sind, dann sind wir das….und
  2. wenn jemand jemanden auf einer Party, auf der wir sind, verbietet auf das Herrenklo zu gehen, dann sind wir das…

Dieser Aktionismus ist ansteckend und so sprang ich aus dem Fenster und levitierte mich zur Tiefgaragenausfahrt in freudiger Erwartung des Entführungsopfers und seiner Entführer.

Carl muss in der Zwischenzeit den Wagen klar gemacht haben, zumindest stand er mit laufendem Motor auf der Straße, als ich vor der Tiefgarage ankam. Tja und Lucy, also ganz ehrlich, ich glaube sie hatte das Hotelsystem schon bei der Hinfahrt zur Party gehackt ... auf jeden Fall wussten wir sehr schnell mit welchem Fahrzeug unsere Opfer wann aus der Tiefgarage kommen.

Das Tor ging auf und ich sah Scheinwerfer, denen bald darauf ein Wäschereitransporter folgte. Er rammte die Betonbegrenzung der Ausfahrt und hielt auf mich zu. In der weiteren Folge hing ich an der linken Dachstrebe und levitierte neben dem Transporter her. Deswegen sind Stehempfänge für Shadowrunner so gefährlich. Diese sind so langweilig das jede willkommene Abwechslung mit hoffnungslos übertriebenen Aktionen gefeiert wird.

(Erhebungen des Herzoglich Statistischen Amtes Sachsen haben zumindest für die Jahre 2068 und 69 gezeigt, dass 15 % mehr bewaffnete Personen nach Stehempfängen oder im unmittelbaren Zusammenhang mit diesen ums Leben kommen, als das vergleichsweise in nebeligen Herbstnächten in den städtischen Slums der Fall ist. Damit sollte einer Kampagne des "Aktionsbündnis benachteiligter erwachter Rassen (AbeR) Paroli geboten werden. Diese forderten eine ganzjährige nächtliche Straßenbeleuchtung für die betroffenen Gebiete.)

Carl, Orange und Faust müssen hinter mir im Teamfahrzeug gewesen sein, als der Wäschereitransporter irgendwo auf der Georg-Schumann-Str. anhielt. Ich levitierte über den Transporter und wartete. Später erfuhr ich, dass Lucy den Transporter gestoppt hat. Wenn ich nicht Magier wäre, würde ich sagen, dabei handelt es sich um Magie (hierbei sei angemerkt: "Jede hinreichend entwickelte Technik, wirkt wie Magie. Wirkt sie nicht wie Magie ist sie nicht hinreichend entwickelt." - Terry Pratchett).

Auf jeden Fall kann ich froh sein, keine Headware zu haben. Orange kniete auf der Straße ab und Faust beschleunigte gerade in Richtung des Transporters. Ein Ork stieg aus und hielt seine MP in Richtung Orange um kurz darauf mit einem Streifschuss am Kopf um zu fallen.
Faust schlug dem Ork nochmal ins Gesicht, staubte also ab und stand vor der geöffneten Transportertür. Wenn Faust jetzt gewusst hätte wer Adam Ries war, wäre im klar gewesen, dass es da noch zwei andere Orks gibt, die irgendwo in diesem Transporter sein müssen.

Sie schossen auf ihn und trafen aber nicht sehr gut ... der Rest erledigte sich schnell von selbst. Einen ließen wir leben und gehen, der Transporter war leider nichts wert. Bei dem Entführungsopfer handelte es sich um einen mehr oder weniger berühmten Abgeordneten einer rechten Partei. Daaaaaaaaaaaa waren die Gesichter von Faust und Orange aber lang, als klar wurde wenn wir da gerettet haben. Mir war es so ziemlich egal, schließlich bin ich kein Meta.

Ich habe den netten Herrn am nächsten Tag dann nochmal in seinem Büro in der Innenstadt aufgesucht, um ihm klar zu machen, dass er durch sein plötzliches Verschwinden noch gar keine Möglichkeit hatte, uns für seine Rettung zu danken.
Als ich ihm von meinen inneren Zwängen erzählte, diese Story von seiner Rettung durch Metamenschen, publik zu machen, war er sofort bereit mir 10000 €, aufgeteilt auf fünf Checksticks, auszuhändigen, um die innere Ruhe wieder zu finden.



 

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