Geschichten
Zwischenspiel Part I: Home, Sweet Home ?!
by Batou
Ich staunte. Darüber wie schnell sich alles wandeln kann und wie oft ich in den vergangenen zwei Jahren meinen Aufenthaltsort ändern musste. Zuerst raus aus den UCAS und rein in die ADL, jetzt raus aus den ADL und rein in die UCAS. Das Leben spielt einem schon komische Streiche…
Erst raus wegen dem „Zwischenfall“ mit dem Kraftwerk der Shiawase Corporation in Seattle und weg in die ADL um Gras über die Sache wachsen zu lassen, jetzt das Ganze wieder kehrt, wegen der Geschichte mit dem Frankfurter Bankenverein, der AG Chemie und Proteus.
Raus aus der Scheiße, rein in die Scheiße.
Ich will nur hoffen dass die Monate in der ADL gereicht haben und ich nicht gleich am Flughafen umgenietet werde, sobald ich nur einen Fuß auf die Gangway setze…
Aber was sein muss, muss sein. Wir sollten uns dünn machen nachdem unsere Auftraggeberin beim Frankfurter Bankenverein nicht so sehr mit der von uns gelieferten Arbeit zufrieden war. Verständlich, wie ich leider zugeben muss. Sie wollte ein führendes Proteus-Mitglied lebend haben und was lieferten wir? Nicht viel mehr als einen Chip mit etwas Gehirnmasse der gesuchten Person. Wie sollten wir auch erahnen, dass Proteus seine wichtigen Leute mit einer Art Cortexbombe präpariert?! Das ist echt krank - selbst für die Spielweise der ganz großen Konzerne!
Naja, wenigstens war der Inhalt wohl halbwegs nützlich für den Bankenverein, wird wohl auch der Grund dafür sein, dass wir leben und mit ein paar Euro in der Tasche dort wieder raus kamen…
Jetzt sitze ich also hier im Flieger, warte darauf, dass ich in den UCAS lande und möglichst nicht gleich erschossen werde. Wenn alles glatt geht (wovon ich ausgehe), sollte am Flughafen schon ein Transport in ein gewisses Ausbildungslager, in welchem ich die kommenden Monate verbringen will, bereit stehen. Gut, dass ich die gesammelten Daten der letzten Runs um den Bankenverein an Carmen übermittelt habe, so konnte sie ein gutes Wort bei der Chefetage für mich einlegen.
Mitarbeiter des Monats bin ich zwar nicht geworden, dafür kann ich aber in einer der Sondereinrichtungen abtauchen - in der hauseigenen Waffenschmiede - zum Werkspreis einkaufen und mich im Umgang mit dem neuen Spielzeug üben. Eine OP wird wohl auch anfallen, schließlich kann ich mich nicht ewig vor der Smartverbindung drücken. Keine Ahnung, warum ich das nicht schon früher hab machen lassen, bin doch sonst nicht so zimperlich… Mag wohl daran liegen, dass „Götter in Weiß“ an meinen Augen rumdoktern müssen… Okay, die sind schon lange nicht mehr meine Originalaugen aber trotzdem, wenn daran gearbeitet wird ist das immer irgendwie unangenehm…
Etwas später…
Seattle, du hast mich wieder! Gut, nur als kurzer Zwischenstop bevor es weiter in Richtung Ausbildungslager geht und um in der Chefetage nochmal Rede und Antwort zu allen Vorkommnissen in den ADL zu stehen, aber immerhin.
Welch Glück, ich wurde nicht direkt erschossen. Wahrscheinlich hat die Abwehr ganze Arbeit geleistet und keiner weiß, dass ich wieder im Lande bin. Gut so! Nach kurzer Fahrt durch das übliche Getümmel der Stadt (Leipzig-Halle ist irgendwie ein Dorf gegen Seattle) erreichte ich dann auch schon mein Ziel.
Die Fahrt dahin war kurz, die Gespräche waren es nicht. Stundenlang wurde ich zu jedem noch so kleinen Detail befragt, musste meine Aussagen wiederholen, wieder und wieder. Naja, nach einigen Stunden waren die Herren in Nadelstreifenanzügen halbwegs zufrieden, nur ich war es nicht. Ich hatte gehofft so wenigstens etwas über die größeren Zusammenhänge bei der ganzen Sache zu erfahren, leider wurden Fragen meinerseits immer überhört. Was solls, besser nicht zu viel wissen. Nach diesem „netten“ Plausch, komplimentierte man mich umgehend wieder hinaus und in das nächste Fahrzeug der Fahrbereitschaft. Ruck zuck saß ich wieder im Flieger, diesmal Richtung Quebec, dem eigentlichen Ziel meiner Reise.
Lager 13
Endlich da! Lang genug hat es gedauert. Endlich raus aus dem Anzug und rein in einen ordentlichen Kampfanzug! Nachdem ich mich also in meiner Unterkunft eingerichtet hatte, ging ich direkt zum Schießstand um meinen Frust über dieses unbefriedigende „Gespräch“ mit der Chefetage los zu werden. Erstaunlich, wie man durch ein wenig Schießen im Freien den Kopf frei bekommt. Frische Luft, die Konzentration auf das Ziel, das Ausblenden aller störenden Faktoren… Ich glaube ich werde noch sehr viel Zeit auf dem Schießplatz verbringen.
Nachdem ich mit dem Schießen fertig war und mich etwas im Camp umgeschaut hatte (war dasselbe wie damals, als ich als junger Anwärter zum erweiterten Training musste) fand sich endlich auch etwas Zeit, um mit Carmen über meinen Aufenthalt zu schwatzen. Durch die mitgebrachten Informationen hatte ich mir zwar einen kleinen Bonus erkauft, die nächsten Monate nur auf der faulen Haut zu liegen würde man mir aber sicher nicht erlauben. Doch zuerst der Einkauf. Schon vor meiner Flucht kam mir ein experimentelles Präzisionsgewehr in die Finger, inzwischen hatte es Serienreife erreicht.
Dieses und das Upgrade für meine Cyberaugen waren die wichtigsten Dinge, der Rest war eher Kleinkram, der nicht weiter ins Gewicht fällt aber dennoch nützlich ist. Okay, das Zeug war alles in allem scheißteuer aber das ist es mir wert. Wer weiß, wann ich das nächstemal wieder flitzen muss, da könnte dann das eine oder andere Ass im Armel der rettende Trumpf sein.
Schnell hatten wir uns geeinigt, die Termine für die OP festgesetzt (gut, dass die Klinik mit den Spezialisten gleich am Ort ist) und das Material zur Begutachtung geliefert.
…
Die OP verlief ohne Probleme, war tatsächlich nur ein kleiner Eingriff der nur ein paar Stunden dauerte. Schon nach wenigen Tagen konnte ich mich von der Qualität des Materials und der Arbeit überzeugen. Nicht schlecht so ein Smart Link… In den nächsten Wochen bestand meine tägliche Arbeit hauptsächlich darin, mich an das neue System zu gewöhnen und meine Fertigkeiten im Umgang mit Schnellfeuerwaffen und Gewehren zu trainieren. Gerade mit dem neuen Präzisionsgewehr machte ich große Fortschritte wenn auch ich mit meinem alten MSG 90 noch immer etwas besser bin. Gut, dafür hat das neue Gewehr etwas mehr Bumms, in der heutigen Zeit wo so ziemlich jeder gepanzert rumläuft macht das auch Sinn. Naja, mit etwas Felderfahrung wird sich auch dieses Defizit ausgleichen lassen.
…
Nachdem ich nun also schon etwas mehr als einen Monat in Lager 13 zugebracht und trainiert hatte, kam es wie es kommen musste, die Pflicht rief. Zwar auf reizenden Art in Form meiner Vorgesetzten Carmen, dennoch war es Arbeit und dazu noch jene schmutziger Natur.
Wetwork stand auf dem Plan, eigentlich etwas auf das ich nicht wirklich scharf bin, in diesem Fall konnte ich aber eine Ausnahme machen. Meine Flucht aus Seattle und das Kopfgeld hatte ich einem schmierigen Mr. Johnsons zu verdanken, das miese Schwein hatte damals das gesamte Team gelinkt, uns erpresst und anschließend einen Doppelmord angehängt! Dem Bastard selbst konnten wir entkommen, aber ihm und seinen Kompagnons verdanke ich die 250.000 Nuyen Kopfgeld! Damals hatten wir keine Zeit herauszufinden wer dahinter steckte, Carmen hat aber nicht nachgelassen und weiter gesucht bis sie etwas gefunden hatte. Und wie es der Zufall so will, die Schweine sind meinen Arbeitgebern schon früher mehrfach auf die Füße getreten und erst vor kurzem haben sie wohl einen wichtigen Deal vereitelt. Jetzt reicht es wohl der Führung, laut Befehl soll die Bande ausgeschaltet werden, egal wie. Ein Freifahrtschein, besonders wenn man berücksichtigt dass ich das Team leiten soll, das mit diesem Auftrag betraut wurde. Ich glaube weiter oben will man ganz sicher gehen dass von denen keiner jemals wieder Ärger macht.
Und wer könnte besser dafür sorgen als ein hochmotivierter Mitarbeiter der noch eine private Rechnung zu begleichen hat?
Jetzt hatte ich Namen, Adressen und ein klares Ziel, fehlte nur noch der richtige Arbeitsplatz:
Seattle